Wie funktioniert Deeskalation im Umgang mit Kindern und Jugendlichen?
In unserer Arbeit als Sicherheitsdienst für pädagogische Einrichtungen ist die Deeskalation das mit Abstand wichtigste und wirksamste Werkzeug. Wir zeigen, wie man es richtig einsetzt.
Wenn auf dem Pausenhof eine Prügelei droht, ein Kind sich in der Kita in einen Wutzustand hineinsteigert, ein Jugendlicher auf dem Sportplatz ein Messer zückt oder die Kids in einem Jugendcafé eine hitzige Meinungsverschiedenheit austragen: Mit den richtigen Techniken lässt sich der Gewaltausbruch in Konfliktsituationen vermeiden. Die große Herausforderung: Sich nicht selbst in starke Emotionen hineinsteigern, sondern trotz angespannter Lage stets ruhig und besonnen bleiben.
Deeskalation: Was genau bedeutet das eigentlich?
Deeskalation bedeutet, eine Situation mit verbalen Mitteln zu entschärfen, damit Gewaltausbrüche vermieden werden. Es ist nicht Ziel der Deeskalation, den zugrunde liegenden Konflikt zu lösen. Sondern es geht darum, die von einer Eskalation ausgehenden Gefahren zu vermeiden: Dass ein Jugendlicher frustriert beginnt, um sich zu schlagen. Dass ein Kind mit Gegenständen wirft. Oder dass Kontrahenten bei der Eskalation eines hitzigen Wortgefechts die Fäuste sprechen lassen.
Eingesetzt werden Deeskalationstechniken in Momenten, wenn ein Streit oder Wutausbruch im Gange ist. Es ist entscheidend, die richtigen Techniken zu kennen, um eine drohende Eskalation abzuwenden.
Strategien für wirksame Deeskalation in pädagogischen Einrichtungen
Die wichtigsten Regeln beim Deeskalieren sind:
- Ruhe bewahren
- Stimme kontrolliert einsetzen
- Aktives Zuhören praktizieren
- Empathisch auftreten
- Den persönlichen Raum respektieren
- Das Umfeld im Blick behalten
- Geduld haben
Die Priorität sollte jedoch immer bei der Sicherheit liegen. Sprich: Schätzt man als Experte eine Situation als derart gefährlich ein, dass verbale Deeskalation zu spät kommt, muss direkt gehandelt werden. Das bedeutet z. B., sich als Sicherheitskraft zwischen einen Angreifer und sein Ziel zu positionieren, vor allem, wenn bereits Gewalt stattgefunden hat. In einigen Fällen sind physische Maßnahmen wie das Festhalten von Aggressoren die letzte verbleibende Option zur Krisenintervention.
Befindet sich die Situation jedoch noch im Stadium „kurz vor der Deeskalation“, kann mit gezielten Deeskalationstechniken der Gewaltausbruch in der Regel verhindert werden. Vorausgesetzt, man setzt diese Techniken richtig ein.
Ruhe im Sturm: Souveränes Auftreten in Konfliktsituationen
Wer zu einer Konfliktsituation hinzustößt, wird meist sofort mit Emotionen überschwemmt. Da kann man sich leicht mitreißen lassen und damit riskieren, die Lage weiter anzuheizen. Die wichtigste Regel lautet deshalb: Selbstkontrolle ausüben und ganz bewusst die Rolle als stabiler Ruhepol in einem emotionalen Sturm einnehmen.
Um das zu erreichen, setzen die Mitarbeiter unseres auf Sicherheit in pädagogischen Einrichtungen spezialisierten Unternehmens auf bewusste Selbstregulierung beim Hineingehen in Eskalations-Situationen: Ruhig durchatmen empfiehlt sich vor jedem Eingreifen. Dann wird eine gelassene Körperhaltung eingenommen – der Gegenpol zur angespannten Haltung der Konfliktbeteiligten. Das Wichtigste ist jedoch, die eigene Stimme zu regulieren: Sie ist das entscheidende Werkzeug beim Deeskalieren.
Bewusster Einsatz der Stimme beim Deeskalieren
Wer laut und schrill auftritt, verstärkt Hektik und Anspannung in Situationen, die ohnehin kurz vor der Eskalation stehen. Impulsives Herumbrüllen, um das herrschende Chaos zu übertönen, bringt daher in der Regel nichts. Um wirklich eine Beruhigung in solchen Momenten zu erreichen, sind eine tiefe Stimmlage und eine langsame, deutliche Sprechweise erfahrungsgemäß die beste Strategie. Man muss auch nicht lauter als alle anderen sein, um gehört zu werden. Im Gegenteil: Wer ruhig und in normaler Lautstärke redet, erzielt meist eine deutlich wirksamere deeskalierende Wirkung.
Aktives Zuhören: So beginnt die Entschärfung des Konflikts
Wer seine Stimme unter Kontrolle hat und zu einer Konfliktsituation hinzutritt, sollte sich mit offenen Fragen wie „Worum geht es bei eurem Streit?“ oder „Was ist passiert?“ einen Einstieg verschaffen. Sind mehrere Beteiligte in der Situation „gefangen“, werden vermutlich mehrere Personen gleichzeitig antworten. In diesem Fall ist es nötig, als Autoritätsperson schnell und souverän eine Reihenfolge festzulegen.
Und dann hört man zu. Das nennt sich aktives Zuhören: Die Aufmerksamkeit ist dem Sprechenden zugewandt, nonverbale Signale wie Blickkontakt und Nicken zeigen, dass man die Informationen aufnimmt. Keinesfalls fällt man den Beteiligten ins Wort, die gerade ihre persönliche Sichtweise der Vorgänge schildern.
Bei Verständnisproblemen fragt man kurz nach, z. B. „Habe ich das richtig verstanden, dass …?“
Beim aktiven Zuhören ist eine hilfreiche Deeskalationsstrategie, die Gefühle des Gegenübers zu spiegeln bzw. in Worte zu fassen. Mit kurzen Anmerkungen wie „Ich sehe, dass dich das frustriert“, demonstriert man Verständnis. Denn Empathie ist der Schlüssel, um junge Menschen aus emotionalen Eskalationsspiralen zu befreien.
Empathie als Grundlage für gelungene Deeskalation
Verständnis für eine bestimmte emotionale Lage zu äußern, hat nichts damit zu tun, die Handlungen einer Person aufgrund dieser Lage zu befürworten. Kommt man z. B. zu einer Situation, in der ein Jugendlicher einem anderen wegen einer Beleidigung Gewalt androht, dann heißt man diese Drohung nicht gut, nur weil man dem Betreffenden zugesteht, seine Frustration nachvollziehen zu können. Man validiert das Gefühl, jedoch nicht die negative Handlung. Es gilt also, dem Gegenüber zu vermitteln: Ich verstehe deine Gefühlslage (Frustration). Doch deine darauf basierende Handlung (Gewaltanwendung) ist falsch.
Beim deeskalierenden Gespräch ist dieser Punkt eine echte Herausforderung. Denn wer einer verständnisvollen Aussage direkt ein „ABER“ hinterherschickt, bewirkt oft genau das Gegenteil der erwünschten Reaktion. Ebenso gefährlich ist es, vermeintliche Überreaktionen als solche zu kommentieren. Mit Formulierungen wie „Beruhig dich mal, das ist doch nicht so schlimm“ signalisieren dem Gegenüber, dass man seine emotionale Not nicht ernstnimmt.
Auch wenn die Reaktion des Betreffenden aus objektiver Sicht tatsächlich übertrieben ist, muss man ihn an dem Punkt abholen, wo er sich emotional befindet. Und das geht nur über Verständnis.
Körperliche Distanz wahren
In Konfliktsituationen werden negative Emotionen häufig dadurch verschärft, dass der persönliche Raum von Beteiligten verletzt wird: Kommt mir jemand in einer aufgeheizten Debatte körperlich zu nahe, gehe ich automatisch in eine Abwehrhaltung, auch verbal. Das führt meist dazu, den Konflikt weiter anzuheizen.
Deshalb gilt beim Deeskalieren: Einen Abstand von ca. anderthalb Metern zu den Beteiligten einhalten. Ebenfalls achten sollte man auf eine offene Körperhaltung, also z. B. nicht die Arme verschränken. Die Handflächen sollten offen sein. Was noch viel wichtiger ist, wenn es um Kinder geht: Man sollte sich auf deren Ebene begeben, sie also nicht von oben herab „abkanzeln“. Um mit Kindern auf Augenhöhe zu kommen, muss man meist in die Hocke gehen. Vorher sollte man jedoch sicher sein, dass keine unmittelbaren Gefahren drohen, denn in solch einer Haltung ist man relativ angreifbar. Es gilt deshalb, zunächst das Umfeld zu sichern.
Das Umfeld im Blick: Gefahren mindern
Sicherheitskräfte, die für Einsätze in pädagogischen Einrichtungen wie Schulen, Wohngruppen und Jugendzentren geschult sind, gehen in solchen Situationen wie folgt vor: Schon während sie auf die Situation zugehen, erfassen sie die Gesamtlage. So stellen sie z. B. sicher, dass sich keine Konfliktbeteiligten hinter ihnen aufhalten. Sie registrieren auch potenzielle Gefahren, wie beispielsweise in Taschen verborgene Hände, die eine Waffe halten könnten.
Zum Umfeld gehören auch alle Personen in der näheren Umgebung, speziell, wenn diese nicht am Konflikt beteiligt sind. Erfahrungsgemäß lassen sich Streitigkeiten und drohende Gewalt am besten deeskalieren, wenn möglichst wenig Zuschauer in der Nähe sind. Das reduziert auch die Gefahr, dass Unbeteiligte bei einer Eskalation geschädigt werden könnten. Als verantwortliche Autoritätsperson kann man in solchen Situationen auch zur Beruhigung beitragen, wenn man Umstehende wegschickt.
Gesprächspausen bewusst nutzen
Man kann eine Deeskalation auch „vermasseln“, weil man zu viel redet. Das gilt nicht nur für das No-Go, dem Gegenüber ins Wort zu fallen, während derjenige seine Sicht der Lage schildert. Es ist auch wichtig, ganz bewusst Pausen zu lassen. Denn in diesen Pausen, die ruhig bis zu zehn Sekunden lang sein dürfen, können die Beteiligten nachdenken und Dinge verarbeiten. Außerdem braucht manch einer diese Zeit, um seine Gedanken in Worte zu fassen, gerade in hoch emotionalen Momenten.
Generell ist Geduld ein entscheidender Vorteil beim Deeskalieren.
Geduld beweisen: Deeskalation braucht Zeit
Wenn sich Kinder oder Jugendliche in einen Wut- oder extremen Erregungszustand hineingesteigert haben, fällt diese Erregung nicht in Sekunden in sich zusammen. Wer erfolgreich deeskalieren möchte, sollte sich bewusst sein: Ein Erregungszustand muss schrittweise abgesenkt werden. Ansonsten droht nämlich ein erneutes Aufflammen der Emotionen, sobald sich der Erwachsene nach vermeintlich erfolgreicher Beruhigung der Situation abwendet.
Fachleute wissen genau, an welchem Punkt sie eine Gefahrenlage wirklich entschärft haben. Bis zu diesem Moment bleiben sie in der Situation, behalten als Autoritätsperson die Zügel in der Hand und haben das Umfeld stets im Blick.
Wie geht es nach der Deeskalation weiter?
Ist ein Konflikt erfolgreich entschärft worden, so dass Gewalt verhindert werden konnte, dann ist die unmittelbare Gefahr zunächst gebannt. An diesem Punkt kann man ansetzen, um die Ursache des Konfliktes zu ermitteln – und zu bekämpfen.
Hat ein Kind beispielsweise versucht, sich gewalttätig gegen mehrere Mobber zu wehren, ist das Problem nicht vom Tisch, nur weil es gelungen ist, den Gewaltausbruch durch gutes Zureden abzufangen. Im nächsten Schritt, möglichst direkt im Anschluss an die Situation, sollte aktiv mit Mobbing Prävention in Schulen gegen das Mobbing vorgegangen werden.
Fazit: Deeskalation funktioniert, wenn sie richtig eingesetzt wird
All die einzelnen Strategien, eine Konfliktsituation gewaltfrei zu deeskalieren, haben sich bewährt. Allerdings ist es gerade für Laien oft schon eine Herausforderung, überhaupt die notwendige Ruhe und Souveränität zu bewahren, um die Voraussetzung für verbale Deeskalation zu schaffen. Fachleute wie unsere Sicherheitskräfte, die umfassendes Training und viel Einsatzerfahrung in der Arbeit in pädagogischen Einrichtungen mitbringen, meistern diese Herausforderung.
Für die Mitarbeiter in Schulen, Kitas, Kinderwohnheimen und Jugendzentren ist es empfehlenswert, im Rahmen von Deeskalationstrainings solche Techniken zu üben.
Gern beraten wir Ihre Einrichtung zu diesem wichtigen Thema und unterstützen die Sicherheit in Ihrem Haus durch erfahrene Spezialisten, deutschlandweit.